„Heute zu sehen, wie viel durch den AAS Standard in Zukunft möglich wird – das motiviert mich wirklich.“
Dr. Benedikt Seidel über die AAS Asset Administration Shell, digitale Produktpässe und seinen Einstieg bei Nexpirit.
Dr. Benedikt Seidel ist seit Ende 2025 PLM Consultant bei Nexpirit und bringt den analytischen Blick seiner Promotion im Bereich ‚Management & Digital Markets‘ mit, sowie echten Praxissinn für die Umsetzung komplexer Technologieprojekte.
Seit Ende 2025 beschäftigt er sich intensiv mit der Asset Administration Shell (AAS) – dem Standard, der digitale Produktpässe und unternehmensübergreifenden Datenaustausch erst wirklich möglich macht. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, was die AAS so besonders macht, warum er die Forschung gegen die Praxis getauscht hat und warum er überzeugt ist, dass sich dieser Standard global durchsetzen wird.
Benedikt, stell dich kurz vor: Was machst du bei Nexpirit?
„Seit Dezember 2025 bin ich als PLM Consultant bei Nexpirit tätig. Mein Schwerpunkt liegt auf der Implementierung von Teamcenter PLM und insbesondere unserer Teamcenter for Sustainability Lösung. Ich helfe Kunden dabei, diese Lösungen in ihrer bestehenden IT-Landschaft einzuführen und so aufzusetzen, dass sie echten Nutzen bringen. Die Verwaltungsschale – also die Asset Administration Shell – ist dabei ein Zukunftsthema, das ich eng begleite. Sie schafft die Grundlage dafür, Nachhaltigkeitsdaten wie den Product Carbon Footprint künftig automatisiert und unternehmensübergreifend auszutauschen.“
"Was ist die AAS eigentlich – und warum ist sie gerade so ein großes Thema?
„Die Asset Administration Shell, auf Deutsch Verwaltungsschale, ist im Kern ein standardisiertes Datenformat. Die Dateiendung ist .aasx und ähnlich wie .pdf ein universell lesbares Format ist. Was sie besonders macht: Sie ist herstellerunabhängig. Egal ob Siemens Teamcenter, ein anderes PLM-System oder ein ERP – wer den Standard verwendet, kann Daten mit anderen austauschen, ohne dass beide Seiten dieselbe Software nutzen müssen. Das wird zum Beispiel die Grundlage für den Digitalen Produktpass.“
Was bringt die AAS konkret für Unternehmen – was ändert sich im Alltag?
„Der größte Unterschied ist die Zeitersparnis. Wir erwarten bis zu 80 Prozent weniger Aufwand beim Einpflegen von Daten, weil Prozesse, die vorher manuell liefen, jetzt automatisiert funktionieren. Nehmen wir das Beispiel Product Carbon Footprint: Wenn ein Zulieferer seine PCF-Daten im AAS-Format bereitstellt, kann ich diese automatisiert in mein System übernehmen, ohne manuelle Eingabe, ohne Medienbruch, ohne Fehlerquelle. Darüber hinaus sind Unternehmen, die die AAS heute einführen, gut aufgestellt für zukünftige regulatorische Anforderungen – allen voran der Digitalen Produktpass, der für immer mehr Produktkategorien zur Pflicht wird.“
Du hast in deiner Promotion zu dezentralen Wertschöpfungsmustern geforscht – noch bevor es die AAS als Standard gab. Was hat sich durch sie verändert?
„In meiner Forschung ging es stark darum, unter welchen Bedingungen sich dezentrale Wertschöpfungsmuster – vonder Produktentwicklung über Second-Hand-Märkten bis zum Recycling – überhaupt wirtschaftlich durchsetzen können. Ein zentrales Problem war immer die fehlende Infrastruktur für den Austausch produktbezogener Informationen. Die Idee eines durchgängigen digitalen Zwillings über Unternehmensgrenzen hinweg war theoretisch denkbar, aber praktisch kaum umsetzbar, weil jedes System seine eigene Datenlogik hatte. Mit der AAS entsteht jetzt erstmals diese gemeinsame Möglichkeit – und das wird in Zukunft vieles ermöglichen.“
Warum hast du die Forschung gegen die Praxis getauscht?
„Während der Promotion habe ich gemerkt, dass mich die Umsetzungsfragen genauso faszinieren wie die theoretischen. Ich habe weniger publiziert und mehr Prototypen entwickelt. Der klassische Forschungspfad durch den akademischen Mittelbau hat mich langfristig weniger gereizt als die Möglichkeit, direkt an Themen mitzuarbeiten, die ich für relevant halte. Bei Nexpirit arbeite ich genau an dieser Schnittstelle: zwischen Regulierung, Technologie und konkreter Umsetzung in Unternehmen. Das ist das für mich interessanteste Feld.“
Was ist für dich gerade die spannendste Frage rund um die AAS?
„Wie man produktbezogene Daten tatsächlich zuverlässig von A nach B bekommt – über System-, Unternehmens- und Wertschöpfungsgrenzen hinweg. In der Praxis zeigt sich immer wieder: Daten existieren, aber sie sind nicht in einer Form verfügbar, die sie nutzbar und austauschbar macht. Die AAS gibt uns hier erstmals eine solide Grundlage. Die eigentliche Herausforderung liegt darin, das so umzusetzen, dass es in bestehenden Systemlandschaften funktioniert – ohne zusätzliche Komplexität. Und langfristig können wir durch die verfügbaren Produktdaten die Kreislaufwirtschaft fördern, durch bessere Wiederverwendung, Reparatur oder datenbasierte Services.“
Wo siehst du die AAS in fünf Jahren – und welche Rolle spielt Nexpirit dabei?
„In fünf Jahren wird die AAS aus meiner Sicht als selbstverständlicher Bestandteil digitaler Infrastrukturen, ähnlich wie heute API, wahrgenommen werden. Dass sich der Standard durchsetzt, halte ich für ziemlich wahrscheinlich – mehr braucht es auch nicht, damit Systeme miteinander kommunizieren können. Ich sehe Nexpirit in der Rolle, Unternehmen genau in dieser Übergangsphase zu begleiten: von ersten Pilotprojekten hin zu skalierbaren, produktiven Lösungen. Dabei geht es nicht nur um Technologie, sondern auch darum, wie sich Organisationen und Prozesse an diese neuen Anforderungen anpassen können.“
Und wenn du mal nicht über Verwaltungsschalen nachdenkst?
„Dann bin ich am liebsten auf dem Wasser – Wingfoiling ist meine große Leidenschaft. Meine zweijährigen Zwillinge sorgen allerdings gerade dafür, dass ich öfter an Land bleibe als geplant.“
Willkommen im Team, Benedikt!
Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, wie Sie die Asset Administration Shell und den Digitalen Produktpass in Ihrer Teamcenter-Umgebung umsetzen können, sprechen Sie uns direkt an.
