Wie Teamcenter an die Datenökosysteme von morgen angebunden wird und warum das für nachhaltige Produktentwicklung entscheidend ist
Wer heute über den CO₂-Fußabdruck eines Produkts spricht, stößt schnell auf ein grundlegendes Problem: Die Zahlen sind kaum vergleichbar. Unterschiedliche Berechnungsmethoden, lückenhafte Lieferantendaten, fehlende Standards – was ein Unternehmen als Nachhaltigkeitskennzahl kommuniziert, hat mit dem Wert des nächsten oft wenig gemein. Genau hier setzt das Forschungsprojekt Decide4Eco an. Nexpirit ist als IT-Lösungsanbieter mit dabei – und bringt Teamcenter ins Spiel.
Das Problem: Nachhaltigkeitsdaten ohne gemeinsame Sprache
Ob ein CO₂-Wert stimmt, hängt von vielen Faktoren ab: Welche Lebenszyklusphasen wurden berücksichtigt? Sind Transport, Montage und Recycling eingerechnet? Stammen die Daten vom Hersteller selbst – oder wurden sie geschätzt? Die Berechnungsmethoden unterscheiden sich so stark, dass ein direkter Vergleich zweier Produkte oft schlicht nicht möglich ist.
Hinzu kommt die praktische Frage des Datenaustauschs: Ein Smartphone besteht aus über 200 Komponenten, die von Dutzenden Zulieferern kommen. Wie sollen Hersteller an die Nachhaltigkeitsdaten all dieser Teile kommen – per Excel-Datei? Per E-Mail-Anfrage? Das funktioniert nicht skalierbar, nicht zuverlässig und nicht standardisiert.
Die Lösung: ein vertrauenswürdiger Datenraum für die gesamte Lieferkette
Decide4Eco entwickelt Methoden und Tools, mit denen Nachhaltigkeitsinformationen über die gesamte Lieferkette hinweg strukturiert, standardisiert und sicher ausgetauscht werden können. Das Herzstück: sogenannte Datenräume, wie sie im Rahmen der Förderinitiative Manufacturing-X aufgebaut werden.
Der entscheidende Clou dabei: Die Daten liegen gar nicht im Datenraum selbst. Stattdessen funktioniert er wie ein großes, sicheres Vertragsregister. Ein Hersteller legt fest, wer seine Daten abrufen darf – und die Daten werden auf Anfrage direkt aus dem eigenen System über eine gesicherte Verbindung bereitgestellt. Keine Datensätze in fremden Händen, keine Monopolstellung einzelner Anbieter.
Technische Grundlage ist die Asset Administration Shell (AAS) – der etablierte Standard für digitale Zwillinge in der Industrie. Nexpirits Aufgabe im Projekt: Teamcenter an genau diesen Datenraum anzubinden.
Was Nexpirit konkret umsetzt
Bisher müssen Teamcenter-Nutzer das PLM-System verlassen, wenn sie Nachhaltigkeitsdaten aus externen Quellen benötigen. Nexpirit ändert das. Ziel ist es, Teamcenter direkt mit dem Manufacturing-X Datenraum zu verbinden – über die Integrationsplattform OpenPDM des Konsortialführers PROSTEP AG.
Konkret heißt das: Ein Teamcenter-Nutzer wählt ein Bauteil aus, fragt dessen CO₂-Wert direkt im System an – und erhält die Antwort automatisch aus dem Datenraum zurück, sofern ein entsprechender Vertrag mit dem Zulieferer besteht. Der Wert fließt direkt ins Environmental Profile des Bauteils ein. Keine manuelle Datenpflege, keine Excel-Listen, keine Medienbruch.
Warum das größer ist als ein einzelnes Projekt
Decide4Eco ist Teil der bundesgeförderten Initiative Manufacturing-X – einem übergeordneten Programm, das Datenökosysteme für die deutsche Industrie aufbauen soll. Parallel dazu existiert Catena-X, das ähnliche Standards speziell für die Automobilbranche entwickelt. Was im Projekt entsteht, ist also keine Insellösung – es ist Infrastruktur.
Für Nexpirit bedeutet das: Teamcenter-Kunden erhalten künftig die Möglichkeit, aktiv an diesen Datenökosystemen teilzunehmen – und ihre Nachhaltigkeitsdaten standardkonform bereitzustellen oder abzurufen. Ein wichtiger Schritt in Richtung Kreislaufwirtschaft und transparente Lieferketten.
Projektinfo
Projekt: Decide4Eco
Projektvolumen: ca. 6 Millionen Euro
Fördergeber: Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz
Förderinitiative: Manufacturing-X
Konsortialführer: PROSTEP AG
Partner: CONTACT Software, Heinz Nixdorf Institut (Uni Paderborn), BOS, Sonova Consumer Hearing, Hadi-Plast
Laufzeit: April 2024 – September 2026
Mehr Infos: decide4eco.de
